Jung. Perspektivlos. Alternativlos?

Beschluss des VI. Bundeskongresses am 26.-28. April 2013 in Magdeburg

Wir fordern: Gute Ausbildung, gute Arbeit, gutes Leben!

Die oben genannten Zustände sind für junge Menschen und uns als linken Jugendverband unerträglich. Wir wollen, dass ein gutes Leben für jeden Menschen nach seiner eigenen subjektiven Auffassung ermöglicht wird. Es ist daher auch unbedingt nötig, dass wir für gerechte und qualitativ hochwertige Arbeits- und Arbeitsverhältnisse kämpfen, die nicht der kapitalistischen Marktlogik unterworfen sind.

Zu unseren Forderungen, die wir im Jugendwahlkampf zum Ausdruck bringen wollen, gehören:

1. Gerechtere Verteilung von Arbeit durch radikale Arbeitszeitverkürzung

Wir fordern eine Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Denn ein gutes Leben führen bedeutet Zeit für andere Beschäftigungen als den Lohnerwerb zu haben. Wir widersprechen dem neoliberalen Zeitgeist, dass Selbsterfüllung nur im Beruf zu finden ist, sondern fordern Zeit für Freunde, Familie, Sport, Kultur und Muße. Es ist außerdem eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, die Arbeitszeit anzupassen. Denn eine Verkürzung der Arbeitszeit bedeutet auch eine Vermehrung der Vollzeitstellen und somit zu einem breiteren Zugang zum Arbeitsmarkt, von dem viele Erwerbslose profitieren könnten. Die radikale Verkürzung der Arbeitszeit ist ein wirkungsvolles Instrument, die kapitalistische Umverteilung zwischen Kapitaleigner und Lohnarbeiter zumindest ein wenig abzuschwächen. Nicht zuletzt ermöglicht eine Arbeitszeitverkürzung auch eine gerechtere Verteilung von Arbeit verbunden mit der Perspektive, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

2. Gerechte Löhne und Ausbildungsvergütungen

Um gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen zu können, sind materielle Ressourcen erforderlich. Nur angemessene Löhne können dies ermöglichen. Daher fordern wir flächendeckende Mindestlöhne und gedeckelte Spitzeneinkommen. Jeder Mensch muss von seinem Einkommen leben können, ohne auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein. Konzepte, die Mindestbedarf am Existenzminimum bemessen, lehnen wir ab. Leben bedeutet materiell so versorgt zu sein, dass eine aktive Teilnahme an der Gesellschaft möglich ist.

3. Ausbildung und Übernahme für alle

Alle Jugendlichen, die eine Ausbildung machen wollen, sollen eine  Garantie auf einen wohnortnahen und vollwertigen Ausbildungsplatz in der gewünschten  Fachrichtung bekommen. Unternehmen, die nicht ausbilden, müssen in einen  Fonds einzahlen, der denjenigen zugute kommt, die ihrer  gesellschaftlichen Pflicht nachkommen. Damit junge Erwachsene nach der Ausbildung ein eigenständiges Leben ohne Zukunftsangst aufbauen können, fordern wir zudem die unbefristete gesetzliche Übernahme aller Azubis nach der Ausbildung.

4. Qualitativ hochwertige Ausbildung

 Zu einem guten Leben und einer guten Arbeit gehört auch eine Ausbildung, die ihren Namen verdient. Azubis sind im Betrieb, um nach Plan etwas zu lernen, nicht, um als billige Kräfte ausgebeutet zu werden. Dennoch sind ausbildungsfremde Tätigkeiten, schlechte Betreuung und Anleitung sowie Überstunden an der Tagesordnung. Wir sagen: Damit muss Schluss sein. Wir fordern eine bessere pädagogische Ausbildung und Qualitätskontrolle von Ausbilder:innen sowie der Einhaltung des Ausbildungsrahmenplans. Der Jugendarbeitsschutz muss gestärkt und weiter ausgebaut werden. Zudem sollten Überstunden nicht nur bei Minderjährigen, sondern bei allen Azubis generell verboten sein.

5. Orientierungsjahr für alle

Wir fordern die gesetzliche Einführung eines Orientierungsjahres mit finanzieller Unterstützung der Berufs- bzw. Studien- oder Arbeitsplatzsuchenden. Viele Schüler:innen, Student:innen und Auszubildende sind sich oft nicht im Klaren, welchen Beruf sie eigentlich ausüben wollen.

Die gesetzliche Einführung eines Orientierungsjahres, welches bis zum Erreichen des 35. Lebensjahres geltend gemacht werden kann, soll es Jugendlichen ermöglichen den Schritt in ein eigenständiges Leben ohne Zwänge zu meistern. Es soll ihnen ermöglichen, eigenen Wünsche und Möglichkeiten abzuwägen und diese für sich selbst zu formulieren. Dazu ist eine sanktionsfreie finanzielle Unterstützung von mindestens 750 Euro pro Monat zu gewähren, um erste Erfahrungen und Schritte bei finanzieller Unabhängigkeit zu ermöglichen.

Das Orientierungsjahr ist dabei frei gestaltbar. Die Arbeitsagentur unterstützt die Jugendlichen bei ihrer Ausbildungs- Studienplatzwahl, indem sie unverbindliche Praktika und Gasthöre:innen Angebote an die Jugendlichen weiterleiten.

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