BG Hamm II

Die Bedeutung theoretischer Bildung für eine kämpferische Praxis

„Ohne revolutionäre Theorie, keine revolutionäre Praxis“ V.I.Lenin

Um in Zeiten der Krise als Linke Antworten bieten zu können, ist es nicht notwendig, das Rad neu zu erfinden. Die Arbeiter*innenbewegung blickt auf weit über 150 Jahre Theorien des wissenschaftlichen Sozialismus zurück. Seit dieser Zeit wurden stets neue Theorien entwickelt und praktische Erfahrungen gesammelt, im Positiven wie im Negativen. Diese Theorien und Erfahrungen kann man studieren und sich für heutige Kämpfe zu Nutze machen und das müssen wir auch tun, wenn wir erfolgreich sein wollen. Theorie und Praxis sind wichtige Teile einer sozialistischen Organisation. Da unsere Praxis durch die Pandemie eingeschränkt wird, können wir die Zeit sinnvoll nutzen und einen größeren Fokus auf Theorie legen.

Was für Bildung brauchen wir?

Dabei ist durchaus nicht egal, mit welchen Theorien wir uns befassen. Wenn wir die bestehende Klassengesellschaft verstehen möchten, müssen wir uns mit grundlegenden marxistischen Texten auseinandersetzen. Der Marxismus ist eine allumfassende Wissenschaft.

Der dialektische Materialismus bietet eine logische philosophische Grundlage, ohne idealistische Phantastereien, die sich auf alle Lebensbereiche anwenden lässt und nicht nur in sich geschlossen, sondern auch unwiderlegt ist.

Der historische Materialismus, die marxistische Geschichtsauffassung, erklärt die Geschichte und die Übergänge von einer in eine andere Gesellschaftsform vor dem Hintergrund des dialektischen Materialismus. Nicht die „großen Männer“ schreiben die Geschichte, sondern geschichtliche Entwicklung ist das Resultat von Klassengegensätzen, die sich unweigerlich in Revolutionen entladen.

Die marxistische Wirtschaftstheorie erklärt was Ausbeutung ist und das Verhältnis zwischen Ausbeuter-und ausgebeuteter Klasse.

Marxistische Staatstheorie hilft uns zu verstehen, woher repressive Organe kommen und was sie mit dem Kapitalismus zu tun haben. Sie lehrt uns, warum es nicht helfen wird, in einer bürgerlichen Demokratie zu regieren, wie es Sozialdemokrat*innen meinen, und warum der Staat, anders als Anarchist*innen denken, kein alleinstehendes Konstrukt ist, welches unabhängig vom Kapitalismus überwunden werden kann.

Wo liegt aktuell das Problem?

Unser Verband hat durchaus den Anspruch, seine Mitgliedschaft theoretisch zu bilden. Das erkennt man beispielsweise an Veranstaltungen wie der jährlichen Winterakademie oder dem aktuellen Carepaket.

Das existierende Angebot verfehlt es aber oftmals grundlegende Theorien zu behandeln. Oftmals wirkt es, als ob das Pferd von hinten aufgezäumt werden soll. Anstatt über grundlegende Themen zu sprechen, wie zum Beispiel eine Einführung in den Marxismus zu bieten, werden Theorien behandelt, die zwar teilweise auf Marx aufbauen, aber viele seiner Erkenntnisse verzerren.

Andere Texte von Marx und anderen Theoretikern zielen auf sehr konkrete und für unsere Aktionen unbedeutende Fragen ab. Sinnvoller wäre es, Grundlagen und unmittelbar relevante Themen zu behandeln.

Workshops zu konkreten Themen, wie Antifaschismus und Feminismus, erscheinen daher oft rahmenlos. Verschiedene Probleme werden als unabhängig voneinander betrachtet, da eine scharfe gesamtgesellschaftliche Analyse fehlt. In der Konsequenz daraus, wird eher Identitäts- als Klassenpolitik verfolgt.

Wie wäre es besser?

Wichtig wäre es, sich intensiv mit grundlegenden Texten über Kapitalismus, Faschismus, Klassengesellschaften und ähnliches auf einem materialistischen, wissenschaftlichsozialistischen Weg auseinanderzusetzen.

Auch einzelne Basisgruppen können sich unabhängig vom Bundesverband durch marxistische Lesekreise mit Theorie befassen. Als Orientierung kann das Theorie-Angebot der linksjugend [‘solid] Nordrhein-Westfalen dienen. Auf den beiden bisherigen Pfingstcamps 2018 und 2019 gab es jeweils eine

fortlaufende Schiene mit marxistischer Theorie. Zusätzlich gab es im letzten Jahr ein erstes Bildungswochenende und es wurde kürzlich ein Theorie-Reader mit grundlegenden marxistischen Texten herausgegeben.