Pressemitteilung der linksjugend [‘solid] zur Situation in den griechischen Flüchtlingslagern

In den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln leben mehr als 42.000 Menschen. Die Verhältnisse in diesen Lagern sind bereits ohne Coronakrise menschenunwürdig: Es gibt kaum Medikamente, unzureichend sauberes Trinkwasser und Lebensmittel; Heizung, Strom und Decken fehlen. Die sanitären Zustände sind katastrophal und tragen dazu bei, dass sich in den Lagern, in denen Menschen zu Tausenden auf engstem Raum leben, Krankheiten wie ein Lauffeuer ausbreiten.

Zeitgleich werden in allen europäischen Ländern Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen verhängt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Es gelten Mindestabstandsregeln und stellenweise Maskenpflicht; der Geruch von Desinfektionsmittel ist omnipräsent.

All diese Präventionsmaßnahmen sind in den Lagern nicht umsetzbar, denn dafür dort leben viel zu viele Menschen auf viel zu engem Raum. Trifft Covid-19 auf diese Situation, ist der Tod tausender Menschen vorprogrammiert. Trotz der Warnungen zahlreicher NGOs wie Mission Lifeline oder Ärzte Ohne Grenzen verschlimmert sich die Lage der Geflüchteten stetig. Zwei Lager sind inzwischen aufgrund von Corona- Infektionen großräumig abgesperrt.

Nach wochenlangen Versammlungen hat sich die Bundesregierung dazu entscheiden, 50 unbegleitete minderjährige Geflüchtete aus den griechischen Lagern aufzunehmen und sie auf die einzelnen Bundesländer zu verteilen.

Anna Westner, Bundessprecherin der linksjugend [ˈsolid], sagt dazu:

„Es ist ein schlechter Witz, dass die Bundesregierung 200.000 Urlauber*innen zurückholen und 40.000 Erntehelfer*innen einfliegen kann, aber wir angeblich keine Kapazitäten für mehr als 50 Geflüchtete haben sollen. Viele Bundesländer haben sich zur Aufnahme bereit erklärt, Hotels und Herbergen stehen bundesweit leer. Dass die EU und die Bundesregierung nach den Tausenden auf der Flucht Ertrunkenen bereit sind, Menschen in Zeiten einer Pandemie in solchen Verhältnissen zurückzulassen, zeigt einmal mehr, wie wenig der EU Menschenleben von Nicht-Europäer*innen wert sind. Die Lager müssen sofort vollständig evakuiert und alle Geflüchteten menschenwürdig untergebracht werden!“

Michael Neuhaus, ebenfalls Bundessprecher der linksjugend [ˈsolid], ergänzt:

„Die Mitgliedstaaten der EU und die europäische Kommission forcieren eine humanitäre Katastrophe sondergleichen und degradieren Geflüchtete einmal mehr zu Menschen zweiter Klasse. Wenn sie jetzt nicht umgehend handeln, machen sie sich mitschuldig am Tod von hunderten Menschen. Eine sofortige Evakuierung der Lager und eine menschenwürdige, dezentrale Unterbringung aller Geflüchteten sind kein Ding der Unmöglichkeit, sondern eine Frage der Prioritäten. Wir wollen nicht länger akzeptieren, dass Eigentum besser geschützt wird als die Würde des Menschen und fordern deshalb, den verfügbaren Wohnraum für das zu nutzen, wofür er da ist: damit Menschen ein sicheres Dach über dem Kopf haben.“

Für Rückfragen stehen wir jederzeit zur Verfügung.

anna.westner@linksjugend-solid.de
michael.neuhaus@linksjugend-solid.de