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Heiße Debatten, lange Sitzungen und eine Prise Rock'n'Roll

Presse, Linksjugend ['solid] >  Geschrieben von Linksjugend ['solid], 20. April 2010

Artikel im Disput zum Bundeskongress Linksjugend ['solid]: Über den Abend des 26.3. verteilt treffen die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Jugendverbandsmitglieder in Frankfurt am Main ein. Ein ganzes Wochenende lang diskutieren über 200 Delegierte und ungezählte Gäste unermüdlich über die Zukunft des stetig wachsenden Jugendverbandes der Partei Die LINKE. Die Linksjugend ['solid] gewinnt dabei nicht nur einen neuen Bundesprecher_innenrat, sondern auch einen ausgefeilten Plan für ein weiteres Jahr unangepasster, linker Politik.

Im Sitzungssaal herrscht eine Mischung aus Aufbruchsstimmung und Festivalathmosphäre: Von überall her sind die jungen Genoss_innen zwischen 14 und 35 angereist, um die Leitlinien für das neue, bei der Linksjugend ['solid] traditionell Ende März beginnende politische Jahr festzulegen. Niemand hat damit gerechnet, dass neben den Delegierten so viele Gäste anreisen würden, die zum Vernetzen und Mitdiskutieren weite Wege auf sich genommen haben. Die Betten in der Jugendherberge Frankfurt reichen irgendwann nicht mehr aus und viele müssen im Schlafsack auf dem Boden übernachten. „Das macht gar nichts. Ein bisschen abgefahren, ich mag das so“, kommentiert ein 17-jähriger Genosse aus Baden-Württemberg.

Und abgefahren ist sie, die Situation der Linksjugend ['solid]. Ein Blick auf das letzte Jahr zeigt einen enormen Mitgliederzuwachs und eine große Steigerung der allgemeinen Aktivität des Jugendverbandes. Besonders im vergleichsweise meist schwächeren Westen der Republik nahmen zahlreiche neue Basisgruppen ihre Arbeit auf, so dass die Linksjugend ['solid] inzwischen über mehr als 190 aktive Gruppen und mehr als 4000 aktive Mitglieder verfügt. Neben der groß angelegten Weltretten-Kampagne, mit der die Partei DIE LINKE im Bundestagswahlkampf unterstützt wurde, waren die Mobilisierung zu den Protesten im Rahmen des Kopenhagener Weltklimagipfels und die Teilnahme an den Anti-NATO-Protesten in Strasbourg zentrale Stationen der Aktivität des Verbandes im letzten Jahr. Die entschlossene Blockade des europaweit größten Naziaufmarschs in Dresden und die umfassende Beteiligung der Linksjugend ['solid] an Planung und Durchsetzung des Protests spielten eine große Rolle in der antifaschistischen Arbeit des Verbands, genau wie das neu aufgelegte Musikprojekt „Aufmucken gegen Rechts“. Für zahlreiche Mitglieder der Linksjugend ['solid] war zudem der Bildungsstreik ein zentrales Moment ihrer politischen Aktivität, wo sie häufig die treibende Kraft darstellten. Franziska Stier, Bundesprecherin der Linksjugend ['solid]: „Wir haben ein Ausnahmejahr hinter uns. Die Aktivität des Verbandes hat 2009/2010 nie gekannte Ausmaße erreicht.“

Von Freitag bis Samstagabend gibt sich der Bundeskongress als höchstes Organ des Jugendverbandes neue Richtlinien. Ohne jede Spur von angeblicher Politikverdrossenheit wird schließlich mit überwältigender Mehrheit ein Leitantrag beschlossen, der den Fokus der Linksjugend ['solid] auf die Themen Klima, Bildung, Krisenkämpfe, Antimilitarismus und Antifaschismus aus einer klar antikapitalistischen Perspektive legt.

Die doppelte Rolle des Jugendverbandes wird hierbei noch einmal betont. „Wir sind keine gewöhnliche Parteijugend. Mit einem Bein stehen wir natürlich in der LINKEN als Partei, mit dem anderen sind wir Teil sozialer, außerparlamentarischer Bewegungen. Damit bilden wir auch so etwas wie eine Brücke zwischen der Partei und den Protesten auf der Straße“, sagt Björn Buschbeck (21) aus dem neu gewählten Bundessprecher_innenrat. „Linksjugend ['solid] steht für unverwässerte Positionen gegen Bildungsabbau, Sozialkürzungen, Militarisierung, Umweltzerstörung und das braune Nazipack. Wir vertreten diese Positionen nicht nur in den Parlamenten, sondern sehen die sozialen Kämpfe dort, wo die Probleme uns und andere treffen, als den Kernpunkt linker politischer Aktivität.“

Die beschlossene Ausrichtung für das nächste Jahr weist in diesem Punkt eine klare Linie auf: "Als Jugendverband kämpfen wir für eine antikapitalistische, eine sozialistische Perspektive. Wir sagen: der Kapitalismus erleidet keine Krisen, er ist die Krise und war seit seinem Bestehen schon eine Katastrophe für Mensch und Natur. [...] Wir wollen an der Gestaltung einer besseren Welt mitwirken. Wir wollen unsere Generation politisch mobilisieren, für eine radikale, plurale junge Linke. Und das kann uns nur gelingen, wenn wir in die sozialen Kämpfe in diesem Land eingreifen und Plattform sind für Protest, Selbstorganisation und Solidarität."

Irgendwann wird es Nacht in Frankfurt, doch im Sitzungssaal ist noch kein Ende abzusehen. Der Bundeskongress tagt unverdrossen weiter, bis kurz nach Mitternacht ein neuer, zwölfköpfiger Bundesprecher_innenrat gewählt ist. Doch auch jetzt ist für einen Großteil der jungen Genoss_innen noch nicht Schluss. Die Debatten des Tages werden in Kleingruppen weitergeführt und die Härtesten schmeißen im Innenhof zu elektronischen Beats eine Spontanparty.

Eine Genossin spricht den O-Ton des Abends aus: „Wir sind hier bei Linksjugend ['solid]. So viel Rock'n'Roll muss sein.“ Am nächsten Morgen werden zwanzig Delegierte für den Bundesparteitag gewählt, der Jugendverband solidarisiert sich mit den Protesten im Iran und verurteilt den Putsch in Honduras. Noch einmal wird per Beschluss klar gemacht, dass die gesellschaftlichen Vorstellungen der Linksjugend ['solid] nichts mit autoritären Staatssystemen wie z.B. der DDR gemeinsam haben.

Und dann ist auch dieser Bundeskongress zu Ende. Die Delegierten reisen ab. Was bleibt, sind neue Projekte und Positionen, mit denen der Jugendverband einen weiteren Schritt nach vorne gegangen ist.

Einen Tag später erklärt der neue Bundessprecher_innenrat: „Wir haben die Arbeit aufgenommen und sind ab jetzt für den Verband ansprechbar. Wir möchten unseren Vorgänger_innen für ihre gute Arbeit danken und sagen, dass wir uns auf ein kämpferisches und ereignisreiches politisches Jahr in und mit der Linksjugend[‘solid] freuen!”

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